Lebensqualität für Menschen mit HIV verstehen

Früher zielte die HIV-Therapie ausschließlich darauf ab, das Virus zu unterdrücken. Mit den Veränderungen in der HIV-Versorgung hat sich der Fokus nun aber vom reinen Überleben einer HIV-Infektion hin zum gesunden Leben und Altern mit HIV verschoben. Dabei ist das übergeordnete Ziel eine Verbesserung der Lebensqualität.

Um Menschen mit HIV dabei zu helfen, ein langes, glückliches und gesundes Leben zu führen, ist es wichtig, ihre Herausforderungen und deren Auswirkung auf ihre Lebensqualität zu verstehen.

„Positive Perspektiven” ist eine weltweite Studie, in der die Erfahrungen und Wünsche von Menschen mit HIV betrachtet werden. Der zweite Studienteil (Positive Perspektiven 2) umfasst 2.389 Menschen zwischen 18 und 84 Jahren aus 25 Ländern. Darin wurde untersucht, wie Menschen mit HIV ihre Gesundheit bewerten, wie sich HIV auf ihr Leben auswirkt und wie es ihre Wahrnehmung der eigenen Zukunft beeinflusst. Des Weiteren wurden in der Studie ihre Erfahrungen mit der antiretroviralen Therapie (ART) sowie das Verhältnis zu ihren Ärzt*innen beleuchtet.

Der Fokus der Studie liegt auf den folgenden Schlüsselthemen:
Gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente (Polypharmazie*), Offener Dialog mit den Ärzt*innen, Nicht nachweisbar = Nicht übertragbar (n=n), HIV und Frauen, Gesund Altern mit HIV

*in der „Positive Perspektiven 2“ Studie definiert als die Einnahme von fünf oder mehr Tabletten pro Tag oder Einnahme von Medikamenten für fünf oder mehr gesundheitliche Probleme.

Lebensqualität und die „vierte 90”

Dank der Innovationen in der antiretroviralen Therapie ist HIV nun eine chronische, behandelbare Erkrankung.

Auch wenn noch einiges zu tun ist, um einen weltweiten Zugang zu modernen HIV-Therapien zu gewährleisten, wurden bereits große Fortschritte bei der Erreichung der für 2020 gesetzten UNAIDS 90-90-90 Ziele realisiert. Diese Ziele lauteten:

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Die Verbesserung der langfristigen Lebensqualität wird zunehmend zu einer entscheidenden Priorität bei der Versorgung von Menschen mit HIV: Ein Ziel, das daher auch als die „vierte 90” beschrieben wird.

Erika Castellanos erklärt, warum es für Menschen mit HIV wichtig ist, den Fokus auf ihre Lebensqualität zu legen.

Was bedeutet das für Menschen mit HIV?

Die Ergebnisse der „Positive Perspektiven 2” Studie bestätigen die Wichtigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes bei der HIV-Versorgung.

Menschen mit HIV, die mit ihren Ärzt*innen einen offenen und aktiven Dialog führen sowie in die Entscheidungen bei der Behandlung einbezogen werden, haben mit höherer Wahrscheinlichkeit eine nicht-nachweisbare Viruslast - und was noch wichtiger ist, eine höhere Lebensqualität.

Im Folgenden findest du die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente

Die Ergebnisse der „Positive Perspektiven 2” Studie zeigen, dass viele Menschen mit HIV andere Medikamente zusätzlich zu ihrer ART einnehmen – und dabei teilweise sogar in den Bereich der Polypharmazie* fallen.

Nach der statistischen Berücksichtigung von Komorbiditäten** zeigen die Ergebnisse der Studie, dass Polypharmazie in starkem Zusammenhang mit einer geringeren Lebensqualität steht.1

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der Menschen mit HIV in Deutschland befürchten, dass sie mit zunehmendem Alter mehr Medikamente nehmen werden.2

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der Menschen mit HIV in Deutschland machen sich Sorgen aufgrund der Langzeiteffekte ihrer HIV-Medikamente.2


*In der „Positive Perspektiven 2” Studie definiert als die Einnahme von fünf oder mehr Tabletten pro Tag oder die Einnahme von Medikamenten für fünf oder mehr gesundheitliche Probleme
**Begleiterkrankungen

Offener und aktiver Dialog

Ein offener und aktiver Dialog zwischen Ärzt*innen und Patient*innen - ergänzt durch die Unterstützung von anderen positiven Menschen sowie Community-Gruppen - ermöglicht es Menschen mit HIV, ihre Wünsche und auch Bedenken bei der Behandlung mit gutem Gefühl anzusprechen.

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der Menschen mit HIV in Deutschland möchten gern mehr in die Entscheidungen rund um ihre HIV-Therapie einbezogen werden.3

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Ungefähr einem Drittel war es unangenehm, mit ihren Ärzt*innen über ihre Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen der HIV-Therapie zu sprechen.4

Nicht nachweisbar = Nicht übertragbar (n=n)

Ein wichtiger Ansporn für Ärzt*innen um Menschen mit HIV über n=n zu informieren: Die Ergebnisse der „Positive Perspektiven 2“ Studie zeigen unter denjenigen Befragten, die auf n=n aufmerksam gemacht wurden, eine direkte Korrelation mit einem besseren allgemeinen Gesundheitszustand. 

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der Menschen mit HIV in Deutschland wurden von ihren Ärzt*innen nicht über n=n informiert.5

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der Personen weltweit, die von ihren Ärzt*innen über n=n informiert wurden, berichteten von einer optimalen Adhärenz.6

HIV und Frauen

Frauen mit HIV berichten insgesamt über signifikant schlechtere Gesundheit als HIV-positive Männer. Sie waren nach eigenen Angaben seltener virologisch supprimiert und litten häufiger unter Nebenwirkungen.6

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der Frauen mit HIV berichteten mit höherer Wahrscheinlichkeit über eine suboptimale Gesundheit als Männer mit HIV (42 %, 623/1486).7

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der Frauen weltweit wünschen sich, mehr in die Versorgung eingebunden zu sein. Dennoch war es den meisten von ihnen unangenehm, mit den Ärzt*innen über Probleme mit der Therapie zu sprechen.7

Gesund Altern mit HIV

Ein offener und regelmäßiger Austausch mit den Ärzt*innen ist wichtig, um die sich mit dem Älterwerden entwickelnden Bedürfnisse in der HIV-Therapie zu erkennen und zu adressieren.

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Fast ein Viertel der Menschen mit HIV ab einem Alter von 50 Jahren berichtete von einer schlechten körperlichen, psychischen, sexuellen und auch allgemeinen Gesundheit.8

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der vorbehandelten Menschen, die älter als 50 Jahre waren, gaben an, Hemmungen dabei zu haben, Bedenken bei ihren Ärzt*innen zu äußern.9

Expertengremium

Die Studie wurde von ViiV Healthcare in Zusammenarbeit mit einem internationalen, multidisziplinären Gremium von HIV-Experten durchgeführt.


Zu den Mitgliedern

Studienmethodik

Insgesamt haben an der Studie 2.389 Personen mit HIV im Alter von 18 bis 84 Jahren aus 25 Ländern teilgenommen.
 

Vollständige Methodik ansehen

Lade dir den Ergebnisbericht herunter

Wenn du mehr über die Ergebnisse der „Positive Perspektiven 2” Studie erfahren möchtest, kannst du dir hier den vollständigen Ergebnisbericht herunterladen.

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  • Quellen

    1. Okoli C, et al. Prev Chronic Dis. 2020; 17:190359.
    2. Wigger A, de los Rios P, Appiah A, OkoliC.Polypharmacy as A Predictor of Treatment Experiences and Concerns Among Persons Living with HIV In Germany. 15. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin 2020. Abstract A-301 
    3. Wigger A, Berkowitsch B, Appiah A, Allmann R, Stubbs A, de los Rios P, Okoli C. Two-way communication activities and sharing of treatment-related information between people living with HIV and their Healthcare providers; Poster 46932 presented at the Deutsch-Österreichischer Aids-Kongress, March 25-27, 2021.
    4. Okoli C, et al. Poster presented at the 23rd International AIDS Conference; 2020; July 6-10. Poster PED 0808.
    5. Wigger A, de los Rios P, Appiah A, OkoliC.Positive outcomes of patient involvement in treatment decisions: Perspectives from Germany. 15. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin 2020. Abstract A-298
    6. Okoli C, et al. Poster presented at the 23rd International AIDS Conference; 2020; July 6-10. Poster PED 0773.
    7. Okoli C, et al. Oral presentation presented the 10th International Workshop on HIV 8c Women; 2020; March 6-7; Boston, MA, US.
    8. Short D, et al. Oral presentation presented at the 23rd International AIDS Conference; 2020; July 6-10. OAD 0903.
    9. Short D, et al. Poster presented at the 23rd International AIDS Conference; 2020; July 6-10. Poster PED 0787.