Angst vor einem ungewollten

Was du gegen die Angst vor einem ungewollten HIV-Outing tun kannst

Nicht jede*r kann oder möchte offen mit der eigenen HIV-Infektion umgehen - und das ist absolut okay. Sobald allerdings Sorgen und Ängste vor einem ungewollten HIV-Outing ins Spiel kommen, gilt es selbst wachsam zu sein: Denn diese können nicht nur deinen Alltag beeinträchtigen, sondern sich auch negativ auf deine mentale Gesundheit auswirken, was wiederum auch einen großen Einfluss auf deine Lebensqualität haben kann.

Was ist mentale Gesundheit?

Der Begriff der mentalen Gesundheit (im Englischen als „mental health“ bezeichnet) wird oft im Zusammenhang mit dem psychischen Befinden verwendet. Man versteht darunter nicht nur das Fehlen von psychischen Beeinträchtigungen, sondern auch im positiven Sinne einen Zustand des psychischen sowie auch sozialen und emotionalen Wohlbefindens. Mental gesund sein bedeutet also nicht nur „es geht mir nicht schlecht“, sondern darüber hinaus auch „es geht mir gut“.

Wenn du einen für dich gesunden Umgang mit deinem HIV-Status gefunden hast, mit dem es dir gut geht und bei dem du keine Angst vor einem ungewollten Outing haben musst, trägt das zum Erhalt deiner mentalen Gesundheit und somit deiner Lebensqualität bei.

Was deine mentale Gesundheit beeinflussen kann

Häufig wird HIV-positiven Menschen von ihrem engen Umfeld geraten, niemandem von ihrem HIV-Status zu erzählen. Dahinter steht häufig die Überzeugung, dass die HIV-Infektion ein selbst verschuldeter Makel sei, den es um jeden Preis zu verstecken gilt.

Diese Form der Stigmatisierung von Menschen mit HIV – also wenn diese ausschließlich aufgrund ihrer Infektion in eine negative Schublade gesteckt und (vor-)verurteilt werden – ist leider noch immer weit verbreitet. Viele Menschen mit HIV verinnerlichen diese negative Bewertung von außen sogar und verknüpfen ihre HIV-Infektion dann mit belastenden Gefühlen wie Schuld und Scham – das nennt man auch Selbststigmatisierung. Sie machen sich zum Beispiel Vorwürfe, verurteilen sich selbst und schämen sich für ihren HIV-Status. All das hat einen negativen Einfluss auf die eigene mentale Gesundheit.

Die Angst geoutet zu werden

Die Angst vor dem ungewollten Outing zeigt sich oft in der Befürchtung, dass jemand deine HIV-Medikamente entdecken oder dich bei deren Einnahme beobachten könnte. Diese Sorge kann dann zu bestimmten Handlungen führen, die dazu dienen, deinen HIV-Status zu verheimlichen. Wenn diese Handlungen zur Gewohnheit werden, dann kann das häufig zu einer andauernden unbewussten Belastung führen.

Die Sorge kann auch ein Grund dafür sein, weshalb HIV- Medikamente häufig versteckt werden – vor allem dann, wenn man mit anderen Menschen zusammenwohnt, die nichts von der eigenen HIV-Infektion wissen sollen. Manchmal geht es sogar soweit, dass man Angst vor unangekündigtem Besuch entwickelt, denn auch dieser könnte womöglich offen herumliegende Medikamente entdecken und somit von der HIV-Infektion erfahren. Spätestens hier sollte einem bewusst werden, dass dieser Umgang langfristig nicht förderlich für die eigene mentale Gesundheit ist.

Ein weiteres Beispiel ist die Befürchtung, dass jemand die Tablettenverpackungen entdeckt, wenn sie entsorgt werden. Wenn du Angst hast, die Verpackungen deiner Medikamente im eigenen Müll zu entsorgen, dann solltest du dir bewusst machen, wie sich diese Ängste und Sorgen auch dauerhaft auf deine mentale Gesundheit auswirken können. Wichtig ist es dabei, dass du ehrlich zu dir selbst bist und dich hinterfragst, wie sehr dich das belastet.

Was kann ich tun, wenn mir der offene Umgang schwer fällt?

Vorteilhaft ist es, wenn du sicher und selbstbewusst mit deiner HIV-Infektion umgehen kannst – denn dann gibt es keinen Grund mehr für ein unter Umständen belastendes Versteckspiel. Falls du aber nicht offen mit deinem HIV-Status umgehen möchtest, gibt es auch andere Möglichkeiten, einen gesunden Umgang damit zu finden.

Im Alltag können beispielsweise schon Kleinigkeiten zu einer merklichen Veränderung führen. So gibst du deiner Angst vor einem ungewollten Outing weniger Raum und sie kann dich somit auch weniger belasten.

Folgende Tipps können dir dabei helfen:

  1. Packe deine Medikamente in eine neutrale Pillenbox. Das erleichtert dir auch die Mitnahme, wenn du mal länger aus dem Haus bist und deine Tabletten bei dir haben musst.
  2. Suche dir zuhause einen festen und diskreten Ort für die Aufbewahrung deiner Medikamente.
  3. Wenn du dir einen Wecker zur täglichen Erinnerung an die Einnahme stellst, dann achte bei der Benennung auf eine neutrale Bezeichnung. Es könnte ja sein, dass auch andere Menschen die Erinnerung sehen könnten.

Unterstützungsangebote nutzen

Auch wenn du selbst mit solch kleinen Stellschrauben einiges bewirken kannst, lässt sich die grundsätzliche Angst dadurch leider nicht beseitigen. Daher ist es empfehlenswert, auch mit deiner/m Ärzt*in über deine Sorgen zu sprechen, denn wenn diese/r über deine persönliche Situation Bescheid weiß, kann sie/er dich bestmöglich unterstützen. Die auf HIV spezialisierten Ärzt*innen sind meist sehr gut vernetzt und können dir somit gezielte Unterstützungsangebote ans Herz legen, die dir im Umgang mit deinen Ängsten und dem Erhalt deiner mentalen Gesundheit helfen können.

Außerdem könnt ihr euch zusammen die vielfältigen Therapiemöglichkeiten ansehen und gemeinsam eine Therapie für dich finden, die sich besser in deinen Alltag integrieren lässt, damit du keine Angst mehr vor einem ungewollten HIV-Outing haben musst.

Möchtest du erfahren, wie andere Menschen es geschafft haben, offen mit ihrer HIV-Infektion umzugehen? Dann sieh dir zum Beispiel das Video von Romy aus der Schweiz an: