Welche Medikamente gibt es zur HIV-Behandlung?

HIV-Medikamente stoppen die Aktivität eines Enzyms oder blockieren Rezeptoren. Die Vermehrung von HIV wird dadurch verhindert. Wird das Virus einem einzelnen Wirkstoff ausgesetzt, wird es langfristig nur unzureichend gehemmt. Dann besteht die Gefahr, dass es sich schrittweise durch die Ausbildung von Resistenzmutationen so verändert, dass das Medikament oder auch andere Medikamente der gleichen Klasse nicht mehr so effektiv wirken können. Es wird resistent. 

Zur Therapie wird also mehr als ein Wirkstoff benötigt, damit es für HIV schwerer wird, sich dagegen durchzusetzen. Deswegen kombiniert man heute mindestens zwei unterschiedliche Wirkstoffklassen für eine erfolgreiche Therapie. In den HIV-Therapieleitlinien werden Kombinationen aus zwei, drei oder sogar vier verschiedenen Wirkstoffen erwähnt.

Die Anzahl der verordneten Wirkstoffe ist aber nicht immer gleichzusetzen mit der Anzahl der Medikamente, die verschrieben werden. Ein Medikament kann bereits aus mehreren Wirkstoffen bestehen (Kombinationspräparat). Ein Kombinationspräparat, das alle Wirkstoffe einer kompletten Therapie in einer Tablette beinhaltet, nennt man auch STR (Single-Tablet-Regime) oder one-pill-Regime. Unabhängig von der Anzahl der enthaltenen Wirkstoffe kann damit die Viruslast effektiv unter die Nachweisgrenze gebracht werden.

Integrase-Inhibitoren (InI) und ihre Kombinationen

InI hemmen das Integrase-Enzym und verhindern damit den Einbau der viralen Erbinformation in das menschliche Genom und damit die dauerhafte Infektion der Zelle. Die aufgeführten Kombinationspräparate aus InI und NNRTI oder NRTI ermöglichen eine komplette HIV-Therapie in einer Tablette.   

Nicht-Nukleosidanaloge Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) und ihre Kombinationen

Die NNRTI hemmen das Enzym Reverse-Transkriptase direkt und damit ebenfalls die Bildung von neuer Erbinformation. Die aufgeführten Kombinationspräparate aus NNRTI und NRTI ermöglichen eine komplette HIV-Therapie in einer Tablette.

Protease-Inhibitoren (PI) und ihre Kombinationen

PI hemmen die Funktion des Enzyms Protease. Bestimmte Virusanteile können dann nicht auf

die richtige Größe zurechtgeschnitten und nicht – oder nicht „richtig“ – in die neuen Viren eingebaut werden. Um eine ausreichende Wirkstoffkonzentration im Blut oder ein längeres Einnahmeintervall zu erzielen, werden Protease-Inhibitoren zusammen mit einem „Booster“ gegeben.  „Booster“ erhöhen die Wirkstoffkonzentration von einigen anderen Medikamenten im Blut, ohne selber eine hemmende Wirkung auf HIV zu haben.

 In der Regel wird zusätzlich zum Protease-Inhibitor der Booster Ritonavir gegeben.

Ein Kombinationspräparat aus einem PI, dem Booster Cobicistat und 2 NRTI ermöglicht auch eine PI-basierte Therapie in einer Tablette.


Nukleosidanaloge Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) und ihre Kombinationen

Um eine wirksame Therapie zu erzielen, müssen mindestens zwei verschiedene Wirkstoffklassen kombiniert werden. Ein Kombinationspräparat aus zwei NRTI kann nicht alleine dauerhaft wirksam sein und benötigt daher noch einen weiteren Partner.

Die Klasse der Nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (oder -Hemmer) wirkt dadurch, dass beim Abschreiben der Erbinformation falsche Bausteine (Analoga) eingebaut werden, was zum Abbruch des Kopiervorgangs führt. Damit wird die Vermehrung unterbunden.

Weitere Medikamente

Entry-Inhibitoren/CCR5-Inhibitoren verhindern das Andocken des HI-Virus an die CD4-Helferzellen. Damit werden die CD4-Zellen gar nicht erst mit dem Virus infiziert. Derzeit ist mit Maraviroc (MVC) ein Vertreter dieser Klasse für die Behandlung von vorbehandelten Patienten zugelassen.

Fusions-Inhibitoren verhindern, ebenso wie die CCR5-Inhibitoren, das Eindringen des Virus in die Wirtszelle. Derzeit ist mit Enfuvirtid (ENF, T-20) ein Vertreter dieser Klasse zugelassen.