Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Medikamenten und Wohlbefinden

Je älter wir werden, desto höher wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir gleichzeitig unterschiedliche Medikamente zur Behandlung verschiedener Erkrankungen (Komorbiditäten) anwenden. Die Einnahme mehrerer unterschiedlicher Medikamente sollte die Lebensqualität jedoch nicht beeinträchtigen.

Wenn HIV-positive Menschen älter werden, können die gleichen gesundheitlichen Probleme auftreten, wie bei HIV-Negativen auch. Für bestimmte chronische Erkrankungen - wie zum Beispiel kardiovaskuläre Erkrankungen oder Osteoporose - sind HIV-positive Menschen vergleichsweise gefährdeter.1 Das bedeutet auch, dass die Wahrscheinlichkeit der Einnahme zusätzlicher Medikamente (neben der HIV-Therapie) bei ihnen höher ist.

Menschen mit HIV haben ihre Erfahrungen zur gleichzeitigen Einnahme mehrerer Medikamente bzw. „Polypharmazie” geteilt. Polypharmazie wird in der Studie als die Einnahme von fünf oder mehr Tabletten pro Tag oder die Einnahme von Medikamenten für fünf oder mehr gesundheitliche Probleme definiert.

Tom erläutert seine Bedenken hinsichtlich der Langzeiteffekte von Medikamenten.

Wichtige Erkenntnisse

Für Menschen mit HIV ist es wichtig, gemeinsam mit ihren Ärzt*innen vorauszuplanen, um sicherzustellen, dass auf ihre sich verändernden Bedürfnisse eingegangen wird.

Es kann hilfreich sein, wenn Ärzt*innen dabei auch alle Begleiterkrankungen berücksichtigen.

Menschen mit HIV sollten von ihren Ärzt*innen ermutigt werden, im Arztgespräch sowohl Sorgen rund um ihre Lebensqualität als auch Wünsche an ihre Therapie zu thematisieren.

Wir müssen Menschen mit HIV darin bestärken, Behandlungen anzustreben, durch die nicht nur das Virus nicht nachweisbar wird und die Nebenwirkungen minimiert werden, sondern die auch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität fördern, so dass HIV zu einem kleineren Teil ihres Lebens wird.

Benjamin Young,
Leiter, Global Medical Directors bei ViiV Healthcare

Studienergebnisse

Gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente und langfristige Gesundheit

Dank der Fortschritte in der HIV-Therapie hat mittlerweile die Mehrzahl der Menschen mit HIV, die Zugang zu ART haben, eine normale Lebenserwartung. Damit steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit der “Polypharmazie”

In der „Positive Perspektiven 2” Studie haben:

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der deutschen Befragten mindestens fünf Tabletten pro Tag oder Medikamente gegen mindestens fünf Erkrankungen eingenommen.2

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der Teilnehmenden weltweit mindestens ein weiteres Medikament täglich zusätzlich zur ART eingenommen.3

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der deutschen Befragten sich Sorgen wegen der möglichen Langzeiteffekte der HIV-Medikamente gemacht.2

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der deutschen Befragten die Sorge geäußert, mit steigendem Alter eventuell mehr Medikamente nehmen zu müssen.2

* Die Gesamtanzahl der Teilnehmenden beläuft sich auf 2.112, da die Zahlen vor der Aufnahme zusätzlicher Daten aus Russland und Südafrika berechnet wurden.

Allgemeingesundheit und Zufriedenheit mit der HIV-Therapie

Wurden bestehende Begleiterkrankungen statistisch berücksichtigt, zeigte sich in den Ergebnissen der „Positive Perspektiven 2“ Studie auch, dass Polypharmazie mit einer verminderten Lebensqualität einhergeht. Auch bei Teilnehmenden, deren Viruslast nach eigenen Angaben supprimiert war, wurde Polypharmazie mit einer geringeren Therapiezufriedenheit und einem schlechteren Gesundheitszustand in Verbindung gebracht.3

Menschen mit HIV, die über eine gute Allgemeingesundheit berichteten

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Einnahme mehrerer Medikamente3

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Keine Einnahme mehrerer Medikamente (unabhängig von der virologischen Supprimierung)3

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der Menschen mit HIV in Deutschland wären dazu bereit, auf ein Behandlungsschema mit weniger antiretroviralen Medikamenten umzustellen, solange ihre Viruslast supprimiert bleibt2

* Die Gesamtanzahl der Teilnehmenden beläuft sich auf 2.112, da die Zahlen vor der Aufnahme zusätzlicher Daten aus Russland und Südafrika berechnet wurden.

Veränderung der Prioritäten bei der Behandlung

Sowohl die eigenen Bedürfnisse und Prioritäten als auch die individuelle Therapie können sich mit der Zeit verändern.

Da HIV mittlerweile als eine chronische Erkrankung gesehen werden kann, wurden die Studienteilnehmer*innen gefragt, wie sich ihre Einstellung gegenüber der Therapie verändert hat.

Personen, welche ihre HIV-Therapie kürzlich gewechselt hatten, gaben dafür folgende Gründe an:

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um Schwere und Häufigkeit von Nebenwirkungen zu reduzieren3

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um die Anzahl an einzunehmenden Tabletten zu reduzieren3

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um die Anzahl an insgesamt eingenommenen Medikamenten zu reduzieren3

Die Befragten, deren Diagnose mehr als zwei Jahre zurücklag (1.841), wurden gebeten, ihre Behandlungsprioritäten zu Beginn ihrer HIV-Therapie mit den heutigen zu vergleichen.

Die folgenden drei Behandlungsprioritäten hatten dabei im Laufe der Zeit die größte Zunahme:

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Minimierung der Langzeitfolgen der HIV-Therapie3

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Die Anzahl der HIV-Medikamente so gering wie möglich halten3

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Nebenwirkungen vermindern3

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Bedeutung zu Beginn der ART

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Bedeutung heute

* Die Gesamtanzahl der Teilnehmenden beläuft sich auf 2.112, da die Zahlen vor der Aufnahme zusätzlicher Daten aus Russland und Südafrika berechnet wurden.

Lade dir den Ergebnisbericht herunter

Wenn du mehr über Polypharmazie und gesundheitsbezogene Lebensqualität erfahren möchtest, kannst du dir hier den vollständigen Ergebnisbericht herunterladen.

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  • Quellen

    1. Burki T. Lancet HIV.2019;6:e816-e817. 
    2. Wigger A, de los Rios P, Appiah A, Okoli C. Polypharmacy as A Predictor of Treatment Experiences and Concerns Among Persons Living with HIV In Germany. 15. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin 2020. Abstract A-301
    3. Okoli C, et al. Prev Chronic Dis. 2020;17:190359.