Mit Genuss essen und trinken - den Körper während der HIV-Infektion stärken und unterstützen!1

Unbeschwert essen und genießen ist auch während einer HIV-Infektion weiterhin möglich. Wer seinen individuellen Bedarf berücksichtigt, unterstützt seinen Körper und das Immunsystem ideal. Einnahmehinweise zur HIV-Medikation sichern die Wirksamkeit. Zertifizierte Ernährungsfachkräfte unterstützen dich bei Bedarf.
 

Einen leckeren Burger mit allem Drum und Dran genießen, mit Freunden am See grillen und chillen oder doch lieber am eigenen Herd mit dem Liebsten etwas Leckeres zaubern?

Egal wo und wie du am Liebsten isst, du kannst deinen Körper und dein Immunsystem mit einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Auswahl an Speisen und Getränken optimal unterstützen. Dabei ist es wichtig, dass du deinen individuellen Bedarf an Eiweißbausteinen aus Milchprodukten, Fisch, Fleisch und Eiern für deine Muskeln genauso berücksichtigst, wie ausreichend Schutzstoffe für Körper und Immunsystem wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Übrigens verbergen sich Letztere z. B. hinter den unterschiedlichen Farben beim Obst und Gemüse. Und ausreichend Energie für deine Leistungsfähigkeit brauchst du natürlich auch. Hier helfen dir Gerichte mit Kartoffeln, Nudeln oder Reis zum Lunch genauso wie kerniges Vollkornbrot, knusprige Brötchen oder Müsli mit frischem Obst zum Frühstück. Aber auch der Bedarf an lebensnotwendigen Fetten darf nicht zu kurz kommen. Walnüsse, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne oder Sesam im Brot und Müsli oder als Topping auf einem knackigen Salat sind hier perfekt. Natürlich sind auch die jeweiligen Öle von diesen Nüssen und Ölsaaten wichtige Lieferanten, die für zusätzliche Abwechslung in den Gerichten sorgen. Und gelegentlich zählt für den Einen Knabbern und Naschen genauso zum Leben, wie für den Anderen vielleicht ein Glas Sekt oder Wein bzw. ein paar Bier auf einer Feier oder bei einem gemütlichen Abend dazugehören.

Solange du alles in Maßen genießt, brauchst du wegen der HIV-Infektion keine strengen Diäten oder Kostformen einzuhalten, sondern achte auf eine abwechslungsreiche und an deinen individuellen Bedarf angepasste Speisen- und Getränkeauswahl.

Dein individueller Bedarf ist nicht nur abhängig von Körpergröße und Gewicht, sondern auch von Bewegungsumfang in Job, Studium oder Schule sowie dem regelmäßigen Sport.

Ist dein Gewicht stabil, liefern Speisen und Getränke in der Regel ausreichend Energie und Nährstoffe für die Bewältigung des Alltags. Das HI-Virus würde sich grundsätzlich bei seiner Vermehrung an den Nährstoffen im Körper bedienen. Solange die Viruslast jedoch unter der Nachweisgrenze liegt, ist eine normale ausgewogene Ernährung ausreichend. Nur wenn die Viruslast dauerhaft sehr hoch ist oder war, benötigt der Körper mehr Eiweiß.

Bei Stoffwechselbesonderheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Allergien oder Unverträglichkeiten muss die Nährstoffversorgung und die Lebensmittelauswahl gegebenenfalls auch an deinen individuellen Bedarf angepasst werden.

  • Wer HIV-Medikamente einnimmt, braucht in der Regel nicht oder nicht mehr auf besondere Einnahmeempfehlungen achten. Für bestimmte Medikamente geben die Hersteller jedoch an, dass Sie zu einer Mahlzeit oder nüchtern eingenommen werden sollten, damit sie optimal wirken können. In der Regel wirst du von deinem Arzt oder Apotheker auf die speziellen Einnahmehinweise aufmerksam gemacht, bei Unsicherheiten frag dort einfach nochmal nach!Wer im Rahmen der HIV-Infektion ungewollt Gewicht verloren hat, sollte darauf achten, wieder ausreichend Muskulatur aufzubauen. Hier sind eiweißreiche Lebensmittel wie Fisch und mageres Fleisch gute Lieferanten, genauso wie Eier, Quark, Hüttenkäse oder andere eiweißreiche Milchprodukte. Auch vegane eiweißreiche Lebensmittel wie Erbsen, Bohnen, Linsen, Tofu, Tempeh oder Seitan können die Eiweißzufuhr zum Muskelaufbau absichern. Idealerweise wird der Gewichts- und Muskelaufbau begleitet von einer Ernährungsfachkraft, die die Körperzusammensetzung (Muskelmasse, Körperwasser und Fettdepots) mittels Bioelektrischer Impedanz Analyse (BIA) regelmäßig überprüft (Adressen findest du am Ende des Artikels).

  • Gelegentlich passiert es, dass der ein oder andere nach dem Start der HIV-Medikation Gewicht zunimmt. Dies geschieht vornehmlich bei Menschen, die vorher eine hohe Viruslast hatten oder schon länger positiv waren. Häufig liegt es daran, dass der Körper sich an seinen „Untermieter HI-Virus“ gewöhnt hatte und die Essportionen über die Zeit hin größer geworden sind. Wenn nun die Vermehrung des HI-Virus durch den Start der Medikation gehemmt wird, kann das Virus immer weniger Energie und Nährstoffe dem Körper entziehen und die überschüssige Energie wird in den Fettdepots eingelagert. Durch eine Bevorzugung energiearmer und lange sättigender Lebensmittel wie Gemüse, Rohkost, Blattsalate sowie echter Vollkornprodukte kann die Gewichtszunahme in der Regel gestoppt und das langjährige individuelle Standardgewicht wieder erreicht werden.

  • Wer HIV-Medikamente einnimmt, braucht in der Regel nicht oder nicht mehr auf besondere Einnahmeempfehlungen achten. Für bestimmte Medikamente geben die Hersteller jedoch an, dass Sie zu einer Mahlzeit oder nüchtern eingenommen werden sollten, damit sie optimal wirken können. In der Regel wirst du von deinem Arzt oder Apotheker auf die speziellen Einnahmehinweise aufmerksam gemacht, bei Unsicherheiten frag dort einfach nochmal nach!

  • Einige wenige Lebensmittel wie Grapefruit(-saft), Knoblauch in großen Mengen oder als Kapseln, große Mengen Grüner Tee, Zuckeraustauschstoffe (Sorbitol, Xylitol, etc.), große Mengen sorbitreicher Lebensmittel (Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Aprikose, Quitte, Dattel, Trockenobst), Johanniskraut oder Genussdrogen können unter Umständen auch die Wirksamkeit der HIV-Medikation beeinflussen. Dies ist in den Beipackzetteln erläutert oder du fragst deinen Arzt oder Apotheker.

  • Du findest das Thema Ernährung bei HIV spannend und hast weitere Fragen? Dann wende dich an eine auf HIV-spezialisierte Ernährungsfachkraft, die von den Krankenkassen zertifiziert ist. Adressen findest du bei den Krankenkassen oder den Berufsverbänden:

    Berufsverband Oecothrophologie e.V. : www.vdoe.de

    Verband der Diätassistenten: www.vdd.de

    Deutsche Gesellschaft der qualifizierten Ernährungstherapeuten und Ernährungsberater:  www.quetheb.de

    Die gesetzlichen Krankenkassen geben einen Zuschuss zu den Kosten der Beratung. Damit du einen Antrag bei der Krankenkasse stellen kannst, benötigst du eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung. Wie das genau geht, steht z.B. auf diesem Formular, welches du mit zum Arzt nehmen kannst.

Der Autor:

Christof Meinhold ist Diplom-Oecotrophologe und Ernährungsberater VDOE. Er arbeitet seit vielen Jahren als Ernährungsberater in eigener Praxis in Köln.



  1. Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird nur die neutrale oder männliche Form gewählt, es werden jedoch Menschen aller Genderidentitäten damit angesprochen.