Was du über die langfristige HIV-Behandlung wissen musst

Ganz gleich, ob du erst vor kurzem mit deiner ART begonnen hast oder bereits seit Jahren ein solches Medikament nimmst – für den optimalen HIV-Behandlungserfolg ist es wichtig, dass du deine Medikamente verordnungsgemäss einnimmst.

Wie bei anderen Medikamenten machst du dir vielleicht Gedanken darüber, wie sich die Behandlung langfristig auf deine Gesundheit auswirken wird. Klicke eine der nachstehenden Fragen an, um mehr über antiretrovirale Therapien (ARTs) zu erfahren und wende dich mit allfälligen Bedenken bitte unbedingt an deinen Arzt. 

  • Wahrscheinlich ist dir im Zusammenhang mit ART schon einmal der Ausdruck „unter der Nachweisgrenze“ begegnet. Damit ist gemeint, dass die HIV-Menge im Blut (die Ärzte sprechen von der „Viruslast“) so gering ist, dass sie mit Bluttests nicht mehr nachgewiesen werden kann. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass bei Personen, deren Viruslast seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegt, das Risiko einer HIV-Übertragung auf den Sexualpartner gleich null ist.1
    Auch die Gesundheitsrisiken sind im Vergleich zu unbehandelten Personen erheblich geringer.2 Die besten Aussichten, deine Viruslast unter die Nachweisgrenze zu senken, hast du, wenn du deine ART verschreibungsgemäss einnimmst und deine Viruslast regelmässig kontrollieren lässt.

  • Die HIV-Therapien unterdrücken (supprimieren) das Virus, indem sie seine Vermehrung im Blut verhindern. Wenn du deine Medikamente nicht regelmässig nimmst oder Einnahmen auslässt, gelingt das nicht mehr so wirksam. Das kann dazu führen, dass die Viruslast in den Routinetests wieder auf ein nachweisbares Niveau ansteigt.2 Ausserdem kann dadurch die Gefahr steigen, dass du gegen bestimmte Arten von Medikamenten eine bleibende Resistenz entwickelst. Zu einer Resistenz kommt es, wenn das HI-Virus bei seiner Vermehrung eine Variante von sich selbst bildet, die von deiner ART nicht mehr unterdrückt werden kann. Dadurch kann sich die Zahl der Behandlungsoptionen, die dir noch zur Verfügung stehen, verringern.2 Mehr über die unterschiedlichen ARTs erfährst du hier.

  • Nein, natürlich nicht! Vielleicht hast du das Gefühl, dass es nur an dir liegt, wenn du mit deinem Medikament nicht zurechtkommst. Wissenschaftliche Studien haben jedoch gezeigt, dass ganz unterschiedliche Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen Probleme mit der regelmässigen Einnahme ihrer ART haben können. In den HIV-Behandlungsleitlinien wurde festgestellt, dass bei manchen Personen folgende Faktoren einen Einfluss auf die Einnahme der Medikamente haben können:

    • Stigmatisierung
    • Altersbedingte Herausforderungen, z. B. die gleichzeitige Einnahme vieler verschiedener Medikamente für andere Erkrankungen
    • Arzneimittel-/Drogenmissbrauch
    • Schwierigkeiten, zum Arzt zu gehen oder mit Ärzten zu sprechen
    • Nebenwirkungen

    Wenn dir die verordnungsgemässe Einnahme deiner ART Probleme bereitet, sprich bitte mit deinem Arzt über deine Bedenken. Warum nimmst du nicht auch Kontakt mit den Selbsthilfegruppen in deiner Nähe auf?

  • Wissenschaftliche Untersuchungen zur langfristigen ART-Einnahme (zwischen weniger als 2 und mehr als 8 Jahren) haben keine Hinweise auf eine Häufung von Todesfällen aufgrund AIDS- und nicht AIDS-bedingter Ursachen ergeben.3 Das bedeutet, dass die Medikamente vermutlich nicht das Risiko erhöhten, an den Folgen von HIV und AIDS oder an anderen Erkrankungen zu sterben. An der Studie nahmen mehr als 12ʹ000 Personen teil, die ihre Medikamente über unterschiedlich lange Zeiträume hinweg (zwischen 1 und 10 Jahren oder länger) einnahmen.3 Die Studie belegte ausserdem einen signifikanten Rückgang der AIDS- und nicht-AIDS-bedingten Todesfälle nach zweijähriger ART.3

    Eine ART kann in manchen Fällen auch sogenannte „toxische Nebenwirkungen“ (Vergiftungserscheinungen) hervorrufen; dein Arzt spricht möglicherweise von „ART-Toxizität“. Diese Nebenwirkungen werden durch das Medikament selbst verursacht und sind nicht – wie z. B. im Falle einer Allergie – eine unerwünschte Reaktion des Körpers auf das Medikament. Mehr zu toxischen Nebenwirkungen erfährst du hier.

  • Manchmal kann die gleichzeitige Einnahme von zwei oder mehr Medikamenten einen Einfluss darauf haben, wie die einzelnen Medikamente wirken. Man spricht hier von „Arzneimittel-Wechselwirkungen“; diese können sich bisweilen in Nebenwirkungen äussern. Wenn es zu Wechselwirkungen zwischen einer ART und einem anderen Medikament kommt, wirkt die ART möglicherweise nicht wie gewünscht, und die Gefahr einer Resistenzentwicklung steigt.4

    Wenn du mehr als ein Medikament nimmst, ist es wichtig, dass du dich an deinen Arzt und/oder Apotheker wendest. Nenne ihm alle Medikamente, die du nimmst. Dazu gehören sowohl verschreibungspflichtige Medikamente gegen andere Krankheiten als auch freiverkäufliche Produkte wie Antihistaminika, Vitaminpräparate oder pflanzliche Mittel. Ausserdem solltest du deinen Arzt und/oder Apotheker informieren, falls du Freizeitdroge konsumierst.4

Hast du das Video von George und Somchai gesehen?

George ist 93 Jahre alt und lebt mit HIV. Im Video berichtet er über sein Leben mit HIV und wie sich seine Behandlung von 20 Tabletten auf nur 2 Tabletten täglich reduziert hat.

  1. Rodger AJ et al. Sexual Activity Without Condoms and Risk of HIV Transmission in Serodifferent Couples When the HIV-Positive Partner Is Using Suppressive Antiretroviral Therapy. JAMA. 2016;316(2):171–181. doi:10.1001/jama.2016.5148.
  2. Schaecher KL. The Importance of Treatment Adherence in HIV. Am J Manag Care. 2013; 19 (12 suppl):S231–S237.
  3. Kowalska JD et al. Long-term exposure to combination antiretroviral therapy and risk of death from specific causes: no evidence for any previously unidentified increased risk due to antiretroviral therapy. AIDS. 2012, 28;26(3):315–23.
  4. Terrence Higgins Trust. HIV treatment and other drugs. Abrufbar unter: http://www.tht.org.uk/myhiv/HIV-and-you/Your-treatment/HIV-treatment-and-other-drugs